Dr. Elisabeth Hieke

Gründerin des Mädchenwerks Zwiesel e.V.

Dr. Elisabeth Hiekes
beruflicher Werdegang

Erste Zwieslerin mit Doktortitel.

Dr. Elisabeth Johanna Hieke wurde am 12. August 1921 in Zwiesel geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in ihrer Heimatstadt wechselte sie an das Mädchenlyzeum der Englischen Fräulein in Sparz bei Traunstein und später an die Oberrealschule in Deggendorf. Sie studierte ab 1940 an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck die Fächer Deutsch, Französisch, Geschichte und Volkskunde. 1944 promovierte sie in Volkskunde mit einer Arbeit über die Siedlungsgeschichte des Einzugsgebiets des Großen und Schwarzen Regens. Damit war sie die erste Zwieslerin mit einem Doktortitel.

Bekannt für ihre Nächstenliebe

Nach dem Zweiten Weltkrieg spürte Frau Dr. Hieke eine innere Berufung im Dienst der Nächstenliebe zu wirken. Nach einer ersten kurzen Tätigkeit in der Flüchtlingsbetreuung des Caritasverbandes in Passau wurde sie 1946 nach Zwiesel entsandt, um dort für die Vertriebenen eine Caritas-Bezirksstelle neu aufzubauen. Neben der Betreuung von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen organisierte sie auch Bildungsangebote für junge Frauen unter einfachsten Bedingungen in einer ehemaligen Wehramtsmeldebaracke.

„Dass irgendwas nicht geht, nur weil ich eine Frau bin, das ist mir gar nicht in den Sinn gekommen.“

Die Gründung des

Mädchenwerk Zwiesel e.V.

eine berufliche perspektive für Mädchen im bayerischen wald

Am 7. März 1950 gründete Dr. Hieke gemeinsam mit elf weiteren Personen den Verein Mädchenwerk Zwiesel e.V., der den Bau und Betrieb eines Mädchenheims übernahm. Aus diesem Engagement entwickelte sich die Idee einer eigenen Ausbildungsstätte, die den Mädchen im Bayerischen Wald eine berufliche Perspektive eröffnen sollte. Bereits 1951 wurde das erste Heim, das „Notburgahaus“, eröffnet. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Einrichtung zu einem Berufsbildungszentrum für soziale Berufe mit Internat heran. Ziel war es, dass junge Frauen in der Einrichtung aufgefangen werden, Selbstbewusstsein gewinnen und auch mit einem schulischen Abschluss im Bayerischen Wald bleiben. Dr. Hieke leitete den Verein und die Schule fast vierzig Jahre lang. Dabei verband sie schulische Ausbildung mit christlich geprägter Gemeinschaftserziehung. Sie schlug mehrfach den Ruf zu einer Karriere mit bundesweiter Bedeutung aus zugunsten ihres Engagements für das Mädchenwerk.

Das geistige Erbe von Dr. Elisabeth Hieke

Neben ihrer schulischen und pflegerischen Arbeit prägte Dr. Hieke das Mädchenwerk auch geistlich. In der Münchener Studienzeit kam sie in Berührung mit dem Haus Venio (heute Benediktinerinnenabtei), deren Spiritualität und Weltzugewandheit sie nach Zwiesel übertragen wollte. Dazu gründete sie zusammen mit dem Benediktinerkloster Niederalteich die „Benediktus-Communität“, eine Oblatengemeinschaft, die im Alltag das Stundengebet und die benediktinische Gemeinschaft pflegen wollte. Dieser Geist floss in den Tagesablauf und die Gestaltung des Schulprogrammes ein.


Dr. Elisabeth Hieke führte das Mädchenwerk bis zu ihrem Ruhestand und blieb ihm bis zu ihrem Tod am 9. Januar 2010 eng verbunden. Ihr Lebenswerk bildet bis heute die Grundlage für die Bildungsarbeit des Mädchenwerks e.V. und des Caritas-Berufsbildungszentrums in Zwiesel, welches den Schulbetrieb im Jahr 2021 übernommen hat.

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